Erinnerungen an Südafrika

Sophia ist jetzt 20 Jahre alt und vor vier Jahren mit ihren Eltern von Johannesburg nach England gezogen. Sie spricht im Telefoninterview mit Doris Traudt über ihre Erinnerungen an Südafrika. Und wie sich die beiden Länder ihrem Gefühl nach unterscheiden.

Hallo Sophia, wie geht es Dir?

Danke, mir geht es gut. Ich geh mal rauf in mein Zimmer, dann können wir ungestört reden. Summy kommt auch mit (Summy ist ein Papagei aus Südafrika, Anm. D. Traudt).

Wie lange ist es her, dass Du von Johannesburg nach England gezogen bist?

Oh, ich glaube das sind jetzt 4 Jahre.

 

Denkst Du noch an Südafrika?

Ja klar. Da sind doch Nonno und Nonna (Opa und Oma; sie sind italienischer Abstammung; Anm. D. Traudt). Sie wohnen jetzt in unserem Haus, und das ist wirklich komisch. Ich war vor einigen Monaten dort und habe noch eine ganze Menge von mir gefunden. Da sind zum Beispiel noch die Wände in meinem alten Zimmer und die Aufkleber und Inschriften auf der Wand. Das war sehr traurig, das zu sehen, weil meine Freundin dort geschrieben hat „I always love you“, und jetzt sind wir doch gar nicht mehr so gut befreundet.

Meine Eltern wollen jetzt das Haus verkaufen, und das ist auch so eine Sache, das wird mir wirklich schwer fallen. Dann kann ich nicht mehr sagen, dass ich noch ein Haus in Südafrika habe. Dann ist alles weg, dann ist mein Pony weg, dann ist mein Haus weg. Silverado (Name des Ponys, Anm. D. Traudt) habe ich immer in meinem Kopf. Ich hatte in Johannesburg nie so richtig gute Freunde und mein Pony war mein Freund. Aber als wir gegangen sind konnten wir ihn nicht mitnehmen, und das was grauenhaft für mich. Ich wollte ihn auch nicht verkaufen, denn ich kann und will einen Freund nicht verkaufen. Das ist einfach nicht richtig für mich. Freunde verkauft man nicht. Als wir gingen, hat ihn das Mädchen übernommen, das schon vorher eine Reitbeteiligung hatte. Sie hat mir verprochen, mir immer zu sagen wie es ihm geht. Aber sie hat ihr Versprechen nicht gehalten.

Das mit den Freunden in Johannesburg war wirklich nicht mein Ding, das ist jetzt viel besser. Hier habe ich wirklich gute Freunde gefunden und ich habe jetzt auch ein neues Pony. Als ich das letzte Mal in Johannesburg war, habe ich Silverado besucht, aber ich hatte den Eindruck, dass er mich nicht mehr erkannt hatte. Das war schlimm. In England habe ich oft geweint, wenn ich an ihn dachte, oder wenn ich plötzlich ein Pony sah, das ihm ähnlich war. Dann musste ich einfach weinen, ob ich wollte oder nicht. Jetzt geht es mir aber ein bisschen besser und ich habe ein neues Pony. Es heißt Flynn und ist echt frech und bringt mich oft zum Lachen.

 

Dass Du ein Pony zurücklassen mußtest war wirklich eine sehr traurige Sache, und ich kann gut verstehen, dass Du da in England sehr traurig warst. Aber sag mal, gab es denn auch eine gute Sache hier in England? Die Dich überraschte oder erfreute?

Ja, ganz klar gab es das. Da war zum Beispiel die Sache mit dem Schulweg. Ich war noch nie alleine in die Schule gegangen, und ich weiß noch ganz genau, wie nervös ich war, als ich das erste Mal alleine in die Schule ging. An diesem Tag war ich wirklich total aufgeregt.

Und die Menschen, die hier wohnen sind echt toll. Ich hatte schnell richtige Freunde. In Johannesburg sagten sie zwar, dass sie meine Freunde sind, aber sie waren es nie wirklich. Die Freunde und die Freiheit, die ich hier jetzt habe, das ist einfach ganz was Besonderes.

Was ich aber sehr vermisse ist die Sonne. Ich habe das Gefühl, hier ist nie richtig Sommer. Dieses Gefühl, wenn die Sonne auf die Haut brennt und man dann einfach in den Pool springt, das ist für mich Heimat. Hier geht man in ein Hallenbad, wenn man schwimmen will. Das riecht anders, das fühlt sich anders an und es ist eben ein öffentliches Bad. Und es gibt Menschen, die benehmen sich so, dass ich da gar nicht mehr hingehen will. Wer will schon im Gepiesel von jemandem Anderen schwimmen? Ja, das mit der Sonne, das mit dem Pool und dem großen Garten, das ist es, was ich wirklich vermisse.

 

Du fährst gerne Auto. Wie fühlt sich das an?

Toll, hier kann ich einfach losfahren. In Südafrika hätte ich immer Angst, wenn ich mich mal verfahren würde, aber hier nicht. Komisch, dass auf einmal all diese Dinge wieder in meinen Kopf kommen.

Nelsen Mandela ist nicht mehr da und ich frage mich, wie wird es mit Südafrika weitergehen? Jetzt ist da nur noch der Zuma (Staatspräsident Jacob Zuma; Anm. D. Traudt) und der ist kein guter Mann. Das macht mich richtig traurig, denn Südafrika ist doch auch meine Heimat, und um die mache ich mir wirklich Sorgen.

 

Ja, das kann ich sehr gut verstehen und ich denke, es machen sich sicherlich viele Menschen Gedanken, wie Südafrika in den nächsten Jahre sich entwickeln wird. Möchtest Du denn dort mal wieder leben?

Das kann ich jetzt noch gar nicht sagen.

 

Du bist ja bald mit der Schule fertig. Was möchtest du danach machen?

Ich möchte gerne Physiotherapeutin für Pferde werden, und das ist gar nicht so leicht. Erst einmal muss ich Physiotherapeut für Menschen werden und dann kann ich endlich auch einer für Pferde werden. Mamas Pferd bekommt oft Physiotherapie und ich schaue dann zu. Vielleicht werde ich mir nach der Schule erst mal ein Pausenjahr nehmen und bei der Therapeutin ein Praktikum machen. Dann habe ich vielleicht höhere Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

 

Wo möchtest Du die Ausbildung machen? In England, in Deutschland oder in Südafrika?

Auf jeden Fall in England, und nicht zu weit weg von meinen Eltern. Es wird jetzt echt Zeit, dass ich mich mal umschaue, was es hier für Möglichkeiten gibt. Im September muss ich sowieso eine Präsentation in der Schule machen, in der ich darlege, was ich künftig machen will, und wie ich es angehen werde.

 

Liebe Sophia, vielen Dank für das Gespräch. Ich bin sehr gespannt, was Du machen wirst und ich wünsche Dir alles Gute!

 

Zeitsprung…

Nachgefragt Januar 2016: Liebe Sophia wie geht es Dir denn heute?

Ich werde 21 in dieser Woche und freue mich schon auf ein schönes Wochenende mit meiner Familie. In der Woche arbeite ich viel, da ich eine Ausbildung zur Tierkrankenschwester mache. Sobald ich mit der Ausbildung fertig bin, werde ich dann Veternärphysiotherapie hier in England studieren. In meiner Freizeit gehe ich viel ins Gym, da ich den Ausgleich zu meinem Beruf brauche. Einen Freund habe ich zur Zeit nicht, da muss der Richtige erst noch kommen, ich bin doch ein bischchen wählerisch.

Gratulation, liebe Sophia, Du hast es ja geschafft, Deine ganzen Vorsätze zu verwirklichen!

Ich wünsche Dir alles Gute und bin gespannt zu erfahren, was Du in einem Jahr machen wirst.

Doris Traudt
Doris Traudt
Coach für die hochmobile Familie bei I am home

Doris Traudt bietet zusammen mit Ihrem Experten-Team von ‚I am home‘ ergebnisorientiertes und emphatisches Coaching für Expatriates und hochmobile Familien.


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