Stress – oh nein! Oder doch? Wie man Stress im Ausland umkrempelt.

Meine liebe Kollegin Silke Irmscher hat uns heute einen Beitrag zum Thema Stress mit dem ganz besonderen Blickwinkel auf die Bedürfnisse der Expats geschrieben.In Zukunft wird Silke nicht nur ab und an für I am home schreiben, nein, es kommt noch viel besser: Silke wird unser Team aktiv unterstützen.Herzlich willkommen im Team, liebe Silke!

Stress könnte für mich zum Unwort des Jahres gekürt werden.

Ein Leben im Ausland birgt viel Potential für beladene Situationen. Da ist zum einen eine völlig fremde Umgebung, in die man sich einleben muss. Auch eine andere Kultur, deren Werte und Gewohnheiten nicht immer nachvollziehbar sind, verwirrt und fordert heraus. Der Entsendungsjob wartet mit Erfolgsdruck auf. Und neue Kollegen, die auf ihre eigene Art und Weise kommunizieren, verursachen täglich Kopfzerbrechen. Für neu Ausgereiste steht die Welt sowieso Kopf: Man rutscht von einer unbekannten Situation in die nächste. Fremde Menschen, fremde Sprache, fremde Infrastruktur. Inmitten alldem versucht man dann noch ein Nest für die Familie zu bauen und für die Kinder zu sorgen.

Damit der Stress mich nicht so stresst

Fakt ist, Stress ist automatisch da, wenn man im Ausland lebt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass viele Expats über einen längeren Zeitraum und vielleicht sogar über die gesamte Entsendung hinweg durchweg unter belastender Anspannung leiden. Nach 15 Jahren im Ausland mit sämtlichen Ups & Downs kann ich persönlich auch eine ganze Menge dazu sagen. Doch habe ich irgendwann gefragt: Kann man diesen Stress denn nicht irgendwie überwinden? Kann man ihn vielleicht vermeiden oder gar – umkrempeln? Was mich zu dieser Frage trieb, war mein tiefster Wunsch einfach „nur“ meine Zeit im Ausland und mein Leben ganz allgemein genießen zu können. Und gerade ein Leben im Ausland, das die einzigartige Gelegenheit bringt, etwas von der Welt zu sehen, sollte doch eine tolle Erfahrung werden. Oder etwa nicht?
Die Antwort auf diese Frage ist: Klar geht das! Es gibt Möglichkeiten mit verschiedenen Arten von Expat-Stress konstruktiv und bewusst umzugehen. Die Crux dahinter ist nämlich, dass Stress eine unheimlich starke Energie in sich birgt. Wer einmal richtige Wut oder Angst erlebt hat – beides klassische, stressauslösende Emotionen -, weiß von welcher Kraft ich spreche, die wir wie aus dem Nichts entwickeln können. Doch anstatt diese Kraft destruktiv walten zu lassen, können wir sie für uns nutzen. Das Zauberwort heißt hier „Reframing“ oder kognitive Umdeutung.

Dafür ist wichtig, dass wir 2 Arten von Stress unterscheiden. Im Alltagssprachgebrauch sprechen wir meist von negativem Stress. Diesen entwickeln wir, wenn wir uns z.B. von etwas bedroht fühlen oder wir eine Herausforderung als zu groß wahrnehmen. Dabei schütten wir Adrenalin aus, um unseren Körper für entweder Kampf oder Flucht zu mobilisieren. Aber es gibt auch einen anderen als diesen Belastungsstress. Positiven Stress fühlen wir, wenn wir beansprucht, aber gleichzeitig motiviert, vital und glücklich sind. Wir leiden nicht unter dem Adrenalinkick, sondern genießen ihn.

Neuer Blickwinkel statt Tunnelblick

Doch wie können wir negativen Stress in positive Beanspruchung umdeuten? Dazu ein Beispiel: Ein deutscher Manager – sagen wir in einem asiatischen Land – nimmt an einem Teammeeting mit lokalen Kollegen teil. Doch anstatt das Meeting pünktlich zu beginnen, tauschen sich alle erst einmal über ihre Wochenenderlebnisse und den neusten Tratsch aus. Als es nach 45 Minuten endlich losgeht, kommt es nur zäh zu konkreten Entscheidungen, weil alle „um den heißen Brei herum reden“. Eine negative Stressreaktion wäre: „Oh Gott, wie lange soll das denn noch dauern? Ich werde wieder nichts geregelt kriegen, die Arbeit türmt sich auf meinem Schreibtisch, das Projekt läuft nicht.“ Unser Manager spannt sich an, sein Herz schlägt schneller und er beginnt sich aufzuregen.

Ein neuer Rahmen

Mit Reframing wählen wir, wie der Name schon sagt, einen neuen Rahmen für eine Situation. Wie ein Rahmen die Wirkung eines Bildes entweder unterstreichen oder zerstören kann, kann so auch unsere Perspektive auf eine Situation diese positiv oder negativ beeinflussen. Mitunter wird die Situation dadurch nicht mehr als bedrohlich wahrgenommen und löst erst gar keinen Stress aus. Oder sie hilft wie im Falle des Managers, den Adrenalinkick für exploratives Beobachten und eine kreative Lösungssuche zu nutzen. So wird der Stress umgekrempelt!

Auf diese Weise kann man viele typische Stresssituationen im Ausland umdeuten. Wenn beim Umzug die Möbel zu spät kommen, der Strom im neuen Haus nicht geht oder es von einem Ameisenvolk eingenommen wurde, kann man entweder die Nerven verlieren. Mann kann aber auch versuchen, die Situation mit Abstand zu betrachten und denken: „Wie werden wir in 2 Monaten wohl über dieses Chaos lachen?“ Auch bei Stress aufgrund kultureller Unterschiede funktioniert Reframing. Indem wir über die Gastkultur lernen und deren Hintergründe verstehen, erkennen wir, dass „unpassend“ anmutende Verhaltensweisen mit den Augen der anderen Kultur trotzdem Sinn machen. Ärger oder kulturelle Verunsicherung, sprich: Stress, lösen sich dann in Luft auf.

Auch wirkt eine Änderung des Fokus´ Wunder. Anstatt auf all das zu schauen, was NICHT funktioniert hat, kann man sich auch all das ins Bewusstsein rufen, WAS gut gelaufen ist. Dabei lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf erfolgreiche Situationen oder positive Erfahrungen. Die stärken nicht nur unser mentales Rückgrat und entspannen unheimlich. Wir verhindern damit auch, dass wir in eine sich selbst bestätigende Abwärtsspirale eintrudeln, in der Stress vorprogrammiert ist.

Fazit:

Negativen Stress, unter dem wir leiden, können wir in motivierende Beanspruchung umdeuten. Dafür braucht es eine neue Perspektive auf die Situation, auf uns selbst sowie auf unsere gesamte Zeit im Ausland. Diesen Blickwinkel können wir mit unserem Mindset sowie der Bereitschaft, über fremde Länder und ihre Leute zu lernen, aktiv gestalten. Viel Erfolg dabei!

Silke Irmscher
Silke Irmscher

Silke Irmscher coacht und trainiert Menschen, die im Ausland leben und arbeiten. Die studierte Kommunikationspsychologin und zertifizierte interkulturelle Trainerin ist auch Brain Gym© Therapeutin und bezieht die Erkenntnisse der Neurowissenschaften und der Meridianlehre in ihre Beratung ein.


Keine Kommentare

Senden Sie einen Kommentar

*

Achtung: Bitte lesen Sie weiter!

Wenn Sie diese Webseite jetzt verlassen, werden Sie vielleicht nie wieder kommen und damit viel guten Content und Mehrwert verpassen. Unsere Empfehlung: Abonnieren Sie den Newsletter. Sie haben nichts zu verlieren.


Wir verschicken keinen Spam. Sie können sich jederzeit mit 1-Klick wieder abmelden.