Wie gut ist mein Kind in Deutsch? - I am home

Wie gut ist mein Kind in Deutsch?

Wieder einmal ist es so weit: in Deutschland werden die Jahreszeugnisse ausgegeben, und vielen deutschen Eltern im Ausland stellen sich wieder die gleichen Fragen, wie Generationen von Eltern vor ihnen. „Unser Kind geht hier in eine nicht deutschsprachige Schule. Was sollen wir nur machen, um die Deutschkenntnisse zu erhalten? Wie wird das werden, wenn unser Kind in Deutschland in die Schule gehen wird?“

Typische Mai- und Juni-Gedanken von Auslandseltern. Aus diesem Grund habe ich mich an Regina Estor, eine erfahrene Deutschlehrerin, gewandt, die unserem Sohn in Johannesburg / Südafrika so gut geholfen hatte. Ich habe sie gefragt: wie geht sie mit den Sorgen der Eltern um? Und siehe da, ich kam zum richtigen Zeitpunkt.

Denn Regina stellt gerade ihren samstäglichen Deutschunterricht um. Seit vielen Jahren bietet sie in Johannesburg an Samstagen eine Spiele- und Konversations-Gruppe für Kinder an, auf Deutsch. Die meisten dieser Kinder haben zumindest einen Elternteil, der Deutsch spricht, und kaum ein Kind geht auf die Deutsche Internationale Schule.

Regina Estor hat sich nun vorgenommen diesen Kindern auch die Möglichkeit zu geben, ein international anerkanntes Zeugnis in Deutsch zu erlangen. „Denn“, so sagt sie, “wer weiß schon, wann und wo die Kinder nachweisen müssen, wie gut ihre Deutschkenntnisse sind?“

 

Die deutsche Sprache so ganz nebenbei erhalten – damit die Kinder auch mit Oma und Opa weiterhin sprechen können.

Das war und ist oft einer der Gründe, weshalb die Kinder in die Samstagsgruppe kommen.

Die Vorschul- und Grundstufen-Kinder sind zum Teil schon einige Jahre in dieser Gruppe und haben enge Freundschaften geschlossen. Jetzt haben sie die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse zu dokumentieren, und weder Regina, die Kinder noch die Eltern wissen, wie das die Gruppe verändern wird. Regina ist sich sicher: sie kann den lockeren und geselligen Flair der Samstagsgruppe erhalten und die Kinder durch ihr Curriculum führen. Zum Glück gibt es ein reiches Angebot an Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache, die den Unterricht Richtlinien geben und den Lernern Spaß machen. Natürlich dauert es eine Weile, ein Basiswissen zu erlangen, wenn man sich nur einmal in der Woche trifft.

„Doch wie reagieren eigentlich die Eltern“, fragte ich sie.

„Ja, die Eltern sind mir in all den Jahren wirklich ans Herz gewachsen, und der Vormittag, an dem ich den Eltern mitteilte, dass ich den Kurs nun zu einer Prüfung führen möchte, geht mir nicht aus dem Kopf. Sie wollten es, aber sie haben alle Angst, dass sie und Ihre Kinder damit überfordert seien. Die Eltern sind froh, dass ihre Kinder ohne Widerstand und gerne zum Unterricht gehen, und das soll auch unbedingt so bleiben. Das war und ist der klare Auftrag an mich.“

 

Die Eltern reagierten sehr unterschiedlich.

„In dieser Samstags-Gruppe habe ich Eltern, die ich die ‚Beschützer‘ nenne. ‚Hausaufgaben? Aber das ist doch zusätzlich zu all den Schulfächern, und Deutsch soll nur Spaß machen. Und ich verstehe die Hausaufgaben auch nicht…‘.
Aber auch die ‚Erzieher‘-Eltern gibt es. Sie haben Spaß daran, mit den Kindern im Auto und bei vielen anderen Gelegenheiten Deutsch zu sprechen.

Und natürlich die ‚Leistungsorientierten‘: das sind Eltern, die einfach erwarten, dass die Kinder ihnen auf Deutsch antworten. Mit Disziplin soll gelernt werden. ‚In den hiesigen Schulen macht man das ja auch so, mit Zulu und Afrikaans.‘ Ich konnte alle beruhigen, denn im Abschlusstest wird Verstehen und Sprechen, – oder zumindest eine richtige Reaktion -, erwartet, und das werden wir schaffen.“

„Die meisten Eltern wollten von mir einige Anregungen, wie sie ihre Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen können. Ich gab ihnen meine Erfahrungen weiter, die sich schon so gut bewährt haben in meinen anderen Gruppen. Das Mini-German-Expat-Zeugnis steht ab sofort auch den Kindern dieser Samstagsgruppe zur Verfügung.“
Die Eltern können dann an den künftigen Schulen ihrer Kinder belegen, was und in welchem Umfang und mit welchem Lernerfolg unterrichtet wurde.

 

Hier Frau Estors Tipps:

Nur der Elternteil, der Deutsch spricht, sollte mit dem Kind Deutsch sprechen (Der/die andere die eigene Sprache). Kinder nehmen alles auf und würden dann von dem nichtdeutschen Elternteil die Fehler und falsche Aussprache erlernen.

  • Die Eltern sollten sich ruhig mit modernen Lehrmethoden und den neueren Büchern, interaktiven Übungen und den Redemitteln auseinandersetzen. Wer nur Vokabeln lernt, kann noch lange nicht sprechen.
  • Gehen Sie auf das Niveau im Buch ein. Einfach nur reden und erwarten, dass das Kind etwas aufnimmt, klappt nicht. Wenn ein Kind Tiernamen gelernt hat, gehen Sie in den Zoo und schauen sich die Tiere mit ihren deutschen Namen an.
  • Kinder erzählen stolz, wenn ein Elternteil Riten einhält. Das ,Guten Morgen‘ am Morgen und das vorgesungene Abendlied bedeuten sehr viel für sie.
  • Lesen Sie Bücher mit Ihren Kindern. Erklären Sie mit den Bildern, was geschieht, übersetzen Sie nicht Wort für Wort. Beim Wiederholen machen Sie bei bekannten Worten Pausen, das Kind wird das Wort dann selbst sagen. So lernt es Wortschatz und Sprechen.
  • Erfinden Sie Ihre eigenen Riten. Spielen Sie ,,Mensch ärger dich nicht“, Schach, oder was Ihnen Spaß macht, auf Deutsch, zum Beispiel bei Autofahrten das Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst…“ („I saw with my little eyes…“), usw. Schauen Sie gemeinsam Filme an und sprechen Sie darüber.

 

Ein Wort zum Schluss: Sie kennen Ihr Kind am Besten. Sie wissen, was ihm zuzutrauen ist und was es mag. Und wenn sie meinen, Fehler beim Sprechen zu machen – das macht nichts. Ihr Kind nicht zu unterstützen, das ist der größte Fehler.

Regina Estor
Deutsch für Muttersprache und Fremdsprache
Privatlehrerin und Lehrkraft für das Goethe Institut zu Johannesburg, Südafrika

Zum Abschluss kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung versichern: dokumentieren Sie alle Unterrichtsstunden, die Ihr Kind im Ausland besucht hat. Viele Schulen in Deutschland werden Sie nicht nur nach den Abschlüssen, sondern auch nach der Stundenzahl fragen, die Ihr Kind in einem Fach hatte. Es ist sehr gut, wenn Sie Extra-Stunden belegen können, auch wenn Ihr Kind auf eine deutsche Schule im Ausland gegangen ist.

Im Blog von I am home gibt es gute Beispiele von Kindern, die im deutschen Schulsystem nach einigen Auslandsjahren wieder erfolgreich Fuß gefasst haben.

Und wir haben mit Alexandra Adliger einen sehr erfahrenen Online-Lerncoach im Team von I am home.

Doris Traudt
Doris Traudt
Coach für die hochmobile Familie bei I am home
Doris Traudt bietet zusammen mit Ihrem Experten-Team von 'I am home' ergebnisorientiertes und emphatisches Coaching für Expatriates und hochmobile Familien.
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