Zurück ins deutsche Schulsystem - I am home

Als Expat zurück ins deutsche Schulsystem

Das geht mittlerweile gut, wie das Beispiel der Expat-Familie H. zeigt. Zweimal war sie schon im Ausland, beide Male wechselte sie bei der Rückkehr nach Deutschland den Wohnort, zog also nicht zurück an den ursprünglichen deutschen Ausgangsort. Vier Neuanfänge, zwei im Ausland, zwei in Deutschland. Und das mit schulpflichtigen Kindern. Das ist gar nicht so leicht.

Früher wäre das so gewesen: sie hätten versucht, auch nach der Rückkehr nach Deutschland ihre Kinder auf internationale Schulen zu schicken. Staatliche Schulen hierzulande waren auf Ex-Expat-Kinder einfach nicht gut eingestellt. Mittlerweile ist eine Veränderung an deutschen Schulen im Gange, wie das Beispiel dieser Familie zeigt.

“Das erste Mal war Australien”, erinnert sich der Vater. “Das war im Jahr 2000. Zwei Jahre blieben wir dort. Unsere Tochter war ein Jahr und drei Monate alt, unser Sohn vier Jahre und drei Monate. Unser Junge ging in Australien nur 3 Monate in den Kindergarten; anschließend wurde er eingeschult und zwar in einer Schule, die 30% auf Deutsch unterrichtet, weil sie eine Partnerschaft mit Nördlingen hat. Das hat ihm ermöglicht, sich einfacher verständlich zu machen. Er hat in Australien ein Jahr Vorschule sowie die Hälfte der ersten Klasse besucht. Als wir zurück nach Deutschland gingen, kam er nochmals, – seinem Alter entsprechend -, in die erste Klasse.

Die eigentliche Herausforderung ist das Zurückkommen.

Unser zweiter Auslandseinsatz war in China, von 2006 bis 2009. Zwischendurch zurück Deutschland, und jetzt sind wir auch wieder hier. Als wir aus Australien zurückkamen, konnte unser Sohn seine Englischkenntnisse nicht gleich in der deutschen Schule einbringen. Doch als es dann ein paar Jahre später nach China ging, zeigte es sich sehr deutlich, wie hilfreich die Zeit in Australien war. Denn er konnte wieder sehr schnell in die englische Sprache eintauchen.”

Jetzt, nach China, haben sie festgestellt, dass sich auch in staatlichen deutschen Schulen etwas geändert hat. Jetzt wird auch hier verstärkt auf Zweisprachigkeit geachtet. Nicht überall, aber immer öfter. *

 

Was raten Sie Familien, die mit dem Gedanken spielen, für einige Zeit ins Ausland zu gehen?

“Ganz klar: es muss für alle passen. Gerade am Anfang ist die Arbeitsbelastung für den Entsandten sehr hoch und die Mitreisenden müssen sich in der neuen Umgebung zurechtfinden. Das kann schon für alle sehr belastend sein. Das Ankommen ist oft sehr spannend und herausfordernd. Doch die eigentliche Herausforderung ist das Zurückkommen.

Es ist ja keinesfalls gesagt, dass man an den gleichen Standort zurückkehrt und dann ist das Zurückkommen ein ganz besonderer Neuanfang. Man muss in die eigene, ursprüngliche Kultur wieder eintauchen. Vieles ist gleich geblieben, und dennoch heißt es auch hier wieder, einen Neustart zu machen. Ganz besonders spannend wird es da für die Kinder, die ihre Wurzeln hier in Deutschland noch nicht so fest ausgebildet haben. Das Gefühl für Heimat und das Gefühl der Zugehörigkeit, das unsere Kinder in Deutschland erfahren, war und ist uns sehr wichtig, weshalb wir uns u.a. auch entschieden haben zurück zu kommen.”

 

Sie kehrten zurück ins deutsche Schulsystem. Ihre Kinder haben wieder eine staatliche Schule in Deutschland besucht. Wie hat denn die Schule auf Ihre Kinder reagiert?

“Nun, da hatten wir rundherum nur gute Erfahrungen gemacht. Der Schulleiter zeigte Verständnis für die Kinder, und war auch gar nicht an den Zeugnissen interessiert. Er gab unseren Kinder sofort die Chance, hier im Gymnasium einzusteigen. Unsere Kinder bekamen Zeit, und dennoch war es richtig schwierig. Sie waren damals im Alter von 10 und 13 Jahren, also in der 5. und der 8. Klasse des Gymnasiums. Es galt, in einer neuen Umgebung, mit neuen Klassenkameraden, den anderen Unterrichtsinhalten und sicherlich auch anderen Herangehensweisen zurechtzukommen.

Zwei Jahre Französisch aufzuholen, war für meinen Sohn eine echte Herkulesaufgabe. Unsere Tochter hadert heute noch manchmal mit der deutschen Grammatik. Aber das Gute an der Schule ist, dass man dort den Hintergrund unserer Kinder kennt. Das hat zur Folge, dass die Schule immer wieder versucht, Druck von ihnen zu nehmen.

Kinder suchen Ihre Chancen ganz selbstverständlich, überall auf der Welt.

Ja, was rate ich den Eltern, wenn sie sich überlegen: “Sollen wir gehen?” Schauen Sie sich vor Ort an, wie die Situation ist. Welche Unterstützung bekommen Sie? Gibt es schon Bezugspersonen, die dort leben oder die dort gelebt haben? Menschen, an die Sie sich wenden können? Und denken Sie dabei auch daran: wie wird die Situation sein, wenn Sie zurückkommen? Nehmen Sie sich dafür die Zeit.

Wenn sie zu dem Ergebnis kommen, diese Entsendung ist nicht die richtige, kommunizieren Sie dieses. Denn eine smarte Firma wird Ihre Ehrlichkeit und Klarheit zu schätzen wissen. Hinfahren und dann Abbrechen ist mit Sicherheit für alle Beteiligten die schlechteste Lösung.”

 

Kommen wir noch einmal auf die Kinder zu sprechen …

Kinder, die mit Ihren Eltern schon den ein oder anderen Auslandseinsatz mitgemacht haben sind aus meiner Erfahrung sehr weltoffen. Sie suchen oft das, was sie wollen und dann: ‘Wo auf der Welt finde ich das, was ich brauche?’ Der Gedanke: ‘Was gibt es hier und was nehme ich dann für mich an?’ ist weniger zu finden.

 

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

“Ich kann das bestätigen. Diese Kinder suchen Ihre Chancen ganz selbstverständlich, überall auf der Welt. Hierzu habe ich schon viele Beispiele erleben dürfen, aus dem Leben meiner Kollegen und dem meiner Freunde.”

 

Soweit die Geschichte der Familie H. Ein schönes Beispiel für das Oft-Wieder-Anfangen und das erfolgreiche Wieder-Einfinden auch in Deutschland. Es zeigt, dass sich deutsche Schulen mittlerweile auf Expat-Kinder eingestellt haben. Zurück ins deutsche Schulsystem, das geht. Es geht sogar gut. Der Sohn der Familie H. hat mittlerweile erfolgreich sein Abitur gemacht und startet in Kürze sein Studium.

 

Vielen Dank an Herrn Hüttmann / Robert Bosch GmbH  für dieses Gespräch.

 


* Unsere Schul-Landschaft verändert sich ohnehin, sie wird immer internationaler. Auch die Kinder von Flüchtlingen, die es nach Deutschland geschafft haben, verändern unsere Klassen. Wobei wir dieses Thema demnächst eingehender in einem eigenen Artikel behandeln werden.

Doris Traudt
Doris Traudt
Coach für die hochmobile Familie bei I am home
Doris Traudt bietet zusammen mit Ihrem Experten-Team von 'I am home' ergebnisorientiertes und emphatisches Coaching für Expatriates und hochmobile Familien.
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