Klarheit über aufgaben erhalten - i am home

Einsamkeit, Heimweh, Isolation – es tut weh, egal was es ist

Es ist ein Gefühl, das so unangenehm ist, dass man es nur sehr schwer beschreiben kann. Es ist ein Thema, das schambesetzt ist und deshalb so schwierig anzugehen.

Aber es ändert sich etwas: Immer mehr Forschungsansätze, immer mehr Forschungsergebnisse, immer mehr Bewusstsein in der Bevölkerung – und Menschen, die sich aufmachen, um der Einsamkeit entgegenzutreten.

Als Expat lebt man mit dem Thema Isolation – in all seinen Facetten.

Man gehört nicht an den Ort, in dem man lebt, und ist man im Heimatland, dann gehört man da auch nicht mehr hin. Die Kinder hingegen entwickeln ihre ganz eigene Welt, die der Third Culture Kids.

Expat-Familien haben oft das Gefühl,in keine ihrer Welten mehr zu passen.
Sie werden zu richtigen Einsamkeitsprofis.

Nicht dass es durch das häufige Auftreten besser würde, aber die Tricks, wie man damit umgehen kann, die werden in der Expat-Gemeinde regelmäßig weitergegeben.
Es ist ein ernstes Thema, wie wir wissen, und dank all der Studien können wir endlich auch begründen, wie es uns geht. Wir gelten eben nicht einfach nur als „Weicheier“, wenn wir uns trauen öffentlich zu sagen: “Ich fühle mich alleine“ oder „Ich fühle mich einsam“.
Hier ein paar Fakten, die mir helfen, dem Thema ‚Einsamkeit‘ im Coaching den Raum und die Bedeutung zu geben, die es unbedingt braucht:

    • Gefühlte Einsamkeit verändert die Weise in der Menschen die Welt wahrnehmen. Einsame Individuen neigen stärker dazu, Mitmenschen als Bedrohung zu betrachten (Einsamkeitsforscher John Cacioppo, 2010).
    • Das Risiko eines Herzinfarkts sozial isolierter Menschen  ist 42% höher (Uni Kassel).
    • Chronische Einsamkeit ist Gift für unsere mentale Gesundheit. Die soziale Isolation bedeutet Stress und kann psychische Störungen hervorrufen (Fabian Lamstera, The lonely road to paranoia, 2017).
    • Einsamkeit erhöht das Sterblichkeitsrisiko genauso sehr – oder sogar mehr – wie etwa Fettleibigkeit. (Julianne Holt-Lunstad, Britische Biobank-Studie, 2018)
    • Einsamkeit ist gesundheitsschädlicher als 15 Zigaretten pro Tag (Julianne Holt-Lunstad, Social Relationships and Mortality Risk, 2010)
    • Sozial isolierte Menschen sind anfälliger für Verschwörungstheorien (Universität Princeton 2019).

 

Und das ist noch lange nicht das „Ende der Fahnenstange“.

Einsamkeit ist ein Gefühl der Isolation – und gerade dieses Gefühl eint uns.

    • In England wurde 2018 eine Einsamkeitsministerin ernannt
    • Länder wie Dänemark oder Australien finanzieren öffentliche Kampagnen gegen die Einsamkeit.
    • Die Große Koalition in Berlin verspricht im Koalitionsvertrag, der »Einsamkeit in allen Altersgruppen vorzubeugen« und »die Vereinsamung zu bekämpfen«. Prof. Dr.Karl Lauterbach: „Wir brauchen eine Stelle im Gesundheitsministerium, die die Bemühungen koordiniert zwischen Familienministerium, der Pflege und der Gesundheitsversorgung.“
    • Immer mehr Organisation packen das Thema an, holen es raus aus der Tabu-Zone, und das in vielen Ländern der EU (hierzu ein schönes Beispiel: die Kulturküche in Karlsruhe: https://www.betterplace.org/de/projects/69752-kulturkuche-karlsruhe-ein-begegnungsort-fur-alle

Expats sind Profis im Umgang mit dem Thema. Deshalb meine Bitte an alle Expats. schreibt mir doch, wie Ihr mit diesem Thema umgeht. Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Was sollte man machen und was eher nicht?

Ich freue mich
Eure Doris Traudt

Doris Traudt
Doris Traudt
Coach für die hochmobile Familie bei I am home
Doris Traudt bietet zusammen mit Ihrem Experten-Team von 'I am home' ergebnisorientiertes und emphatisches Coaching für Expatriates und hochmobile Familien.
7 Kommentare
  • Quirin von Nordenskjöld

    19. Mai 2019 at 16:52 Antworten

    Danke für den Text!
    Ich sehe die Einsamkeit, die ich auf der Reise und auch bei meiner Rückkehr nach Deutschland empfunden habe als Konsequenz meine Komfortzone verlassen zu haben, als Indikator, Gewohnheiten über das direkte Umfeld hinaus ablegen zu können.
    Ich denke die Konfrontation mit Einsamkeit hat mich sensibler, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne, im Kontakt mit anderen Menschen gemacht.

    Die Angst vor Einsamkeit ist einer der Gründe für Gruppenzwang.

    Einsamkeit ist mangelnde Verbindung zu Mitmenschen. Sie wirft die Frage auf mit welchen und wie man sozial agieren möchte…. wofür möchte ich Anerkennung? Was bin ich bereit zu geben? Wo sind meine Grenzen? Was bin ich bereit zu opfern, um eine Beziehung aufrecht zu halten?

    • Doris Traudt

      23. Mai 2019 at 19:09 Antworten

      Lieber Quirin,
      Du hast da einen Satz geschrieben, den höre ich so oft.”Die Angst vor Einsamkeit ist einer der Gründe für Gruppenzwang.”
      Ja, und das ist der Anfang einer Veränderung zu Dir selbst.
      Danke, dass Du uns das so deutlich gesagt hast.
      Grüße
      Doris

  • Andrea Schwarz

    22. Mai 2019 at 5:19 Antworten

    Vielen Dank, dass du dieses schwierige Thema benennt.

    Als weltoffener Mensch, der auch Menschen aus anderen Kuturkreisen zu seinen Freunden zählt, kommt es mir manchmal so vor, als seien die ‘Daheim gebliebenen’ eng mit ihrer vertrauten Welt verbunden und wenig flexibel.

    Manchmal merke ich, wie ich mir schwer tue mit den ‘Daheim gebliebenen’ noch eine gemeinsame Basis zu finden.

    Ich habe das Mitgefühl für mich entdeckt.
    Nicht alle Menschen sind so mutig, eine Weile ins Ausland zu gehen, viele Menschen haben Ängste, mit welchen sie zu kämpfen haben.

    Ich mache mir bewusst, dass jeder mit seiner Art seine Daseinsberechtigung hat. So fällt es mir leichter, trotzdem Kontakt mit dem Nachbarn zu pflegen, mit dem ich sonst nicht viel gemeinsam zu haben scheine.

    Auch bin ich dankbar für diese kleinen Begegnungen. Manchmal ist es ein Lächeln, das ich im Bus mit jemandem teile oder Dankbarkeit für das Vertrauen, wenn mir der Kollege etwas von seinem privaten Hobby erzählt.

    Wir leben generell in einer Gesellschaft der Singles. Das muss ich gar nicht Expat sein, um die Einsamkeit zu kennen.

    • Doris Traudt

      23. Mai 2019 at 19:05 Antworten

      Hallo Andrea,
      wie schön von Dir zu lesen. Der letzte Satz von Dir:”Wir leben generell in einer Gesellschaft der Singles. Das muss ich gar nicht Expat sein, um die Einsamkeit zu kennen.” Denn aus diesem Grunde habe ich mich mit den Thema Einsamkeit auch hier in Deutschland beschäftigt und ja, ich habe den Eindruck das Thema ist unglaublich groß geworden.
      Danke für Deine Gedanken
      und ganz liebe Grüße
      Doris

  • Dorina Taubmann

    23. Mai 2019 at 12:39 Antworten

    Einsamkeit – nach 37 Jahren in Mexiko immernoch irgendwie ein Thema.

    Inzwischen habe ich längst gelernt damit umzugehen, trotz des Freiheitsdrangs den ich habe. Ich bin sehr stark geworden, unabhängig, jedoch auch wählerisch im Ungang mit Menschen.

    Die Einsamkeit brachte mich oft unter Gruppenzwang, aber nach einer Weile hatte ich den Durchblick und bewahrte meine Selbständigkeit; entweder wieder raus aus der Gruppe oder sich innerhalb derselben doch autark durchzusetzen…

    Nach diesen intensiven Erfahrungen kann ich heute sagen, daß es mir gut geht, und die Einsamkeit Teil meiner kontinuierlichen Entwicklung geworden ist, wobei ich dann sage: “Willkommen wieder mal, du Einsamkeit!”

    • Doris Traudt

      23. Mai 2019 at 19:02 Antworten

      Hallo Dorina,
      vielen Danke für Deine mutgebenden Worte. Ganz besonders für den Satz:”Ich bin sehr stark geworden, unabhängig, jedoch auch wählerisch im Ungang mit Menschen.” Das Du jetzt mehr auch Dich achtest und Deine Entwicklung so mit uns teilst ist wunderbar.
      Viele Grüße
      Doris

  • Anke Thomas

    26. Mai 2019 at 16:48 Antworten

    Was für ein wichtiges Thema, liebe Doris – und wie schön, dass in der Kulturküche in Karlsruhe ein Raum entsteht, in dem man – fernab von Gruppenzwang – mit Menschen in Kontakt kommen kann 🙂
    Spannend, dass das Gefühl der Einsamkeit heute auch entstehen kann, wenn man mit so vielen Menschen und ständig verbunden ist – aber eben immer geschwind weiter muss…das kenne auch ich! Und die Achtsamkeit und auch Mindful Self Compassion ist ein Weg, der mir sehr geholfen hat, hier wieder zu mir – und damit auch zu anderen Verbindung zu finden…
    Gerade gestern habe ich einen Film gesehen, der das Thema der Einsamkeit lustig und poetisch in Bilder packt : 25 km/h ist ein wundervoller Film über 2 Brüder, die sich auf der ihren Jugendtraum abbildenden Reise genau diesem Thema stellen – mit dem Soundtrack der 70er Generation, d.h. für alle (und nicht nur) 40 plus ein Träumten… https://www.youtube.com/watch?v=tv1OhrqabR4.

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