Schulwechsel gut verarbeiten - I am home

Häufige Schulwechsel gut verarbeiten

Das Leben einer Expat-Familie ist geprägt von Umzügen und Schulwechseln. Die entscheidende Frage ist: Wie kann unser Kind häufige Schulwechsel gut verarbeiten?

Frage: Was haben die Person des Lehrers, Familien-Rituale, Zuhören können und eigene Werte gemeinsam?
Antwort: Sie helfen unseren Kindern, häufige Schulwechsel besser zu verarbeiten.

Haben Sie schon mal was von John Hattie gehört? John Hattie, Bildungsforscher aus Neuseeland, wollte eine aussagekräftige Antwort auf die Frage: Was ist guter Unterricht? Dazu analysierte er die schulische Entwicklung von mehr als 250 Millionen Schülern. Am Ende seiner Mega-Analyse erstellte er ein Ranking. Die dort genannten Faktoren zeigten ganz Erstaunliches, zum Beispiel, dass Klassengrößen keine signifikanten Auswirkungen auf das Lernergebnis von Schülern haben. John Hattie nannte seine Studie „Visual Learning“ – das Sichtbarmachen vom Lehren und Lernen.

Vieles was in den letzten 20 Jahren an Schulen ausprobiert und propagiert wurde spiegelt sich hier wider. Die Hattie-Studie kann mit Sicherheit eine echte Anregung bei der Beurteilung der nächsten Schule sein, denn John Hattie geht der Frage nach: was hilft beim Lernen und was stört?

Will man das Ergebnis in einigen Worten zusammenfassen, dann sei gesagt: es gibt kaum etwas, das Kinder so sehr im schulischen Lernen fördert wie die Person des Lehrers, und es gibt kaum etwas, was dem Lernen so abträglich ist wie ein Schulwechsel.

 

“Mama, den Geruch von Pappe mag ich nicht.”

So, und nun? Was können wir Eltern da jetzt tun? Hat die Hattie-Studie hierauf auch eine Antwort? In der Studie wird auch der Einfluss des Elternhauses auf den Lernerfolg erforscht. Wenn man das Ergebnis auf eine einzige Erkenntnis reduziert, so ist es die, dass wir Eltern unsere Kinder am meisten stärken, indem wir ihnen Mut machen und an sie glauben. Das hilft noch mehr, als sie zuhause zusätzlich zu “stimulieren”. Wenn das das Wichtigste ist, was wir Eltern tun können, auch ohne dass unsere Kinder häufig umziehen, um wie viel wichtiger ist es dann, wenn sich unsere Kinder in Umbruchsituationen befinden?

Warum ist das so wichtig? Weil unsere Kinder aus dem Verbunden-Sein mit so Vielem herausgefallen sind. Die Freunde und die Umgebung wechseln, doch die Familie bleibt.

Für alle Familien sind Rituale wichtig. Für Expat-Familien sind Familienrituale aber weit mehr, sie sind oft der sichtbare und verlässliche Anker im turbulenten Auf und Ab. Sie erzeugen Sicherheit. Die Verbundenheit mit der Familie zeigt sich greifbar und fest. Wir zum Beispiel haben, egal wo auf der Welt, immer zum gleichen Kartenspiel gegriffen, wenn es in unserem Leben anstrengend wurde.

 

Zeit nehmen, Hinhören

Meine Freundin Sarah arbeitet mit und für Kinder, die ein neues Zuhause brauchen, die aus welchen Gründen auch immer nicht mehr bei ihren Eltern leben können. Ich fragte sie vor kurzem: Liebe Sarah, was machst Du wenn ‘Deine Kinder’ Mut und Zuversicht brauchen?

Nur zuhören, sagte sie. Eigentlich ist das ganz einfach. Zuhören, ohne über (vorschnelle) Lösungen nachzudenken. Zuhören, ohne über das fehlende Gewürz im Mittagessen nachzudenken. Zuhören, ohne sich über den seltsamen Wortschatz des Kindes zu wundern. Zuhören, ohne sich über das misslungene Geschäftsessen Gedanken zu machen. Einfach nur zuhören. Da sein. Mitgefühl vermitteln, Zeit schenken. Auch wenn das Problem noch so groß und die Lösung doch so naheliegend ist. Einfach zuhören.

 

Nichts sagen. Das nimmt die Angst. Das ernsthafte Zuhören heilt. Der tiefe Wunsch, den Anderen wirklich zu verstehen ist das, was so viel Geborgenheit vermittelt.

 

Raus aus der Isolation – wie integriert die Schule?

Fremde Menschen, fremder Stil, fremde Abläufe und möglicherweise sogar eine fremde Sprache. Ein Gefühl der Isolation entsteht bei jedem Ortswechsel und das erzeugt Angst, ja sogar Schmerzen. Doch lernen kann unser Gehirn nur, wenn es in Verbundenheit ist. Darin sind sich alle Hirnforscher einig.

John Hattie belegte in seiner Studie, dass es die Person des Lehrers ist, die den größten Einfluss auf den Lernerfolg der Kinder hat. Wenn der Lehrer weiß, wie, wann und wie intensiv er sein Wissen einbringt, wenn er weiß, wie seine Schüler lernen, dann läuft der Unterricht äußerst erfolgreich. Nicht die Klassengröße ist entscheidend, nicht die Methode, mit der unterrichtet wird, oder die technischen Ausstattung in der Schule.

Es ist die Person des Lehrers, die den größten Einfluss auf den schulischen Erfolg unserer Kinder hat. Wie gut ist der Lehrer mit der Klasse verbunden? Das scheint die Zauberfrage zu sein. Deshalb sollten wir die neue Schule fragen:

Was wird gemacht, damit mein Kind schnell in die Klassengemeinschaft aufgenommen wird? Was kann mein Kind tun? Wie sind sie Erfahrungen der Schule mit Expat-Kindern, und was können wir den Lehrern sagen, damit sie mein Kind kennenlernen?

 

Welcher Typus Mensch ist Ihr Kind? Was braucht Ihr Kind in Übergangsphasen?

Als wir von Deutschland nach Südafrika zogen und unser Sohn auf eine englischsprachige Schule kam, ging er jeden Tag nach der Schule in sein Zimmer, hörte eine Geschichte, nahm seine Katze mit und begab sich in seine Lego-Welt. Wir hatten ein so langsames Internet, dass ihm nichts anders übrig blieb, als seine eigenen Legofilme zu machen, mit einer Spiegelreflex-Kamera. Er machte das, was ihm Sicherheit gab. Er wusste auch immer, warum wir umzogen, und wir gaben ihm Zeit anzukommen, so dass sich sein Gehirn umbauen konnte. Im Rückzug konnte er seien Batterien wieder aufladen. Für Andere mag es der Sport sein, das Skypen mit den Freunden, das Musizieren, Facebook oder Online-Spielen.

Oft dachten wir: “Kommt er denn nie wieder aus diesem Zimmer raus?” Da war doch der Pool, das Trampolin, das Baumhaus, und-und-und. Doch er blieb im Zimmer. Das war eben seine Art, anzukommen, das zu verarbeiten was da so alles auf ihn einstürmte.

Als wir dann nach fünf Jahren wieder nach Deutschland kamen, musste sofort ein neuer Computer her, und nun verschwand er in dieser Welt. Die Lego-Filme und Vieles mehr gingen online.

Die schulischen Leistungen waren jedesmal völlig im Sturzflug, und natürlich waren wir besorgt, voller Unruhe und Zweifel, was jetzt zu tun sei. Und auch wir bekamen von ‘alten Hasen’ gesagt:

Ruhig bleiben, das wird schon, hat er es bisher geschafft, dann ist das Wissen da, dass es zu schaffen ist. Baut das auf.

 

Er hatte bis zum letzten Wechsel, da war er 14 Jahre alt, drei Kindergärten und vier Schulen besucht, und hatte immer einen Weg in die neue Umgebung gefunden. Wir mussten nur zu ihm halten.

Welche Erfahrungen haben Sie?

 

Insbesondere als Expats das Familien-Leitbild leben

Wenn man weiß, wozu man etwas macht, läuft es dann leichter? Ja, ganz bestimmt. Und eine gute Vorbereitung bei der Schulwahl hilft dabei, sich wieder zu besinnen auf das, was die Familie trägt. Die Schule sollte idealerweise ganz zum Familien-Leitbild passen. Wenn die Zeit der Recherche abgeschlossen ist und es klar ist, warum die Entscheidung, – getragen von der ganzen Familie -, für diese Schule gefallen ist, dann wirkt diese Klarheit wie ein Katalysator auf unsere Kinder. Auch wenn man nicht die perfekte Schule gefunden hat.

Wie eindeutig sich durchdachte Entscheidungen und Ziele auf die schulische Entwicklung auswirken erläutert der Hirnforscher Manfred Spitzer in einem Vortrag sehr eindrücklich. Er berichtet von einem wissenschaftlichen Experiment, das folgendermaßen aussah: in einer Klasse befragte man die Schüler nach allgemeinen Werten und dem Ziel in ihrem Leben. In einer anderen Klasse fragte man nach lediglich nach allgemeinen Werten. Diese Befragung wurde zweimal im Jahr durchgeführt und die Schüler der Klasse, die sich mit ihren eigenen Zielen/Werten beschäftigten, waren nach einiger Zeit bis zu einer halben Schulnote besser als die Klasse, die sich nur mit generellen Werten befasst hatte. Eine halbe Note, das kann in Deutschland schon der entscheidende Punkt sein, zu welchem Schultyp man zugelassen wird. Nur dadurch erreicht, dass ich mich mit dem befasse, was für mich wichtig ist. Kein Lernen, kein Pauken, sondern Reflektieren des eigenen Handelns.

Die Vision, das Gefühl der Sinnhaftigkeit erzeugt ein Gefühl von Zufriedenheit. Vielmehr noch, es macht glücklich.

 

Richtig glücklich machte es mich, als ich erfuhr, dass an einigen Schulen in Deutschland das Unterrichtsfach ‘Glück’ angeboten wird und man es sogar im als Abiturprüfungs-Fach wählen kann. An der Ludwig-Maximilians-Universität in München können angehende Lehrer das Fach erlernen. Was wird in diesem Fach vermittelt?

Schülerinnen und Schüler lernen Lebenskompetenz, sie lernen Kreativität entwickeln beim Lösen von Aufgaben, Verantwortung zu übernehmen und andere Menschen für sich zu gewinnen. Konflikte werden gelöst, Interessen und Begabungen entdeckt und gewürdigt. Sie lernen sich selbst zu achten und realistisch einzuschätzen, eben ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Genau das ist es, was wir unseren Kindern mitgeben können, ganz egal wo unsere Kinder leben.

Oftmals sind aber die Schulen, die uns zur Auswahl stehen, nicht die Schulen, die wir uns für unsere Kinder wünschen. Dann sind wir Eltern gefragt, hier Familienstrukturen zu schaffen und Aktivitäten für unsere Kinder zu entwickeln. Doch das ist oft gar nicht so leicht und ungleich schwerer, wenn man in einer ganz fremden Umgebung ist. Hier hilft es darauf zu vertrauen, dass man mit seiner Recherche vor Ort dann doch in naher Zukunft das findet was fehlt.

Fangen sie einfach an. Eine warme, Mut machende Umgebung zu schaffen dürfte das Wichtigste sein, was wir für unsere Familie tun können.

Das ist auch der Grund, weshalb ich mein Unternehmen “I am home” genannt habe. Denn darin liegt für mich genau dieser Zauber. Wenn wir sagen können: “Ich bin in mir zuhause, dann ist der Ort unwichtig, an dem ich bin, dann geht es mir einfach gut und ich kann wachsen.”

 

Was bleibt?

  • Da ist diese wunderbare Studie. Wenn ich mit Lehrern spreche und Schulen
    suche für meine Kunden, dann helfen mir die hier gewonnenen Erkenntnisse
    immer sehr gut bei den Gesprächen, wenn es um Schule geht. Ich hoffe, Ihnen
    auch.
  • Da ist die Gewissheit, dass unsere Kinder immer wieder durch diese Phasen des
    Neubeginns gehen und wir hier mit Vertrauen und Ermutigung einfach das
    Allerbeste tun.
  • Da ist das, was uns als Familie einzigartig macht. Wir können es wachsen lassen,
    so dass wir auf ganz besondere Art zusammenwachen und uns helfen.
  • Da ist ein neues Schulfach: ‘Glück’. Es ist doch wunderbar, dass immer mehr
    Schulen erkennen: Schule ist nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung, sondern
    ein Ort, an dem ich mich selbst erkenne.

 

Doris Traudt
Doris Traudt
Coach für die hochmobile Familie bei I am home
Doris Traudt bietet zusammen mit Ihrem Experten-Team von 'I am home' ergebnisorientiertes und emphatisches Coaching für Expatriates und hochmobile Familien.
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