Manchmal brauchte ich Heimat auf dem Teller

Fast jeder versteht unter Heimat etwas ganz anderes.

Vertrauen, Zugehörigkeit, Sicherheit, bedingungslose Akzeptanz, Erinnerungen, Landschaft und so vieles mehr wird gesagt, wenn man anfängt, über Heimat zu sprechen.

Liebe Expats und EX- Expats, lasst uns heute mal über Essen und Heimat nachdenken.

Schaut man sich die Blogbeiträge von Expats oder die Community-Chats von Deutschen im Ausland an, dann findet man immer auch Tipps dafür, wie man vor Ort, mit den dort verfügbaren Lebensmitteln ein Gericht zubereiten kann, das an die Heimat in Deutschland erinnert.

Auch Lokale, die heimatliche Küche anbieten, sind der Renner in diesen Foren.

Warum, ganz klar, irgendwann kommt der Moment, da möchte man einfach mal wieder Heimat schmecken. Nur kurz, nur jetzt, aber das muss dann eben sein.

Heimweh auf dem Teller.

Da wundert es einen nicht, wenn das Lieblingsmitbringsel der deutschen Expats das Kochbuch von Tim Mälzer „Neue Heimat“ ist.

Kohlräbchen werden zum Magneten

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich (in Johannesburg?) einmal eine SMS bekommen habe, es gebe heute auf dem Markt Kohlräbchen. In wilder Hektik eilten alle Deutschen, die diese Nachricht von meiner Freundin erhalten hatten, auf den Markt und konnten ihr Glück kaum fassen.Der Markt war an der Schule und mein Sohn strahlte wie an Weihnachten und Ostern zusammen, als ich ihm auf der Heimfahrt ein kleines, runzliges Kohlräbchen zum Knabbern gab.Wenn wir Besuch bekamen, dann baten wir diesen, – wer hätte es gedacht -, uns Brot mitzubringen, und mir war auch Senf sehr wichtig.Dinge, die ich in Deutschland nie wirklich wertgeschätzt hatte, wurden plötzlich wertvoll, geradezu mystisch.

Apfelschorle ist auch so etwas. In Deutschland ganz normal und unbeachtet, wenn du das aber auf einmal aus zwei Getränken am Tisch zusammen mixt (denn Apfelschorle ist oft unbekannt) und du ins Schwärmen kommst, dann ist es da, dieses Gefühl von Heimat, und alle reden und träumen mit.

Brot ist für uns Deutsche im Ausland einfach etwas sehr Emotionales

Wir Deutschen und das Brot, das ist ja ein echter Klassiker. Kaum ein Deutscher, der nicht schnell die deutsche Bäckerei kennt, so denn vorhanden.Oder der nicht gesagt bekommt, wann deutsches Brot von wem mitgebracht wird.Nicht umsonst ist die deutsche Brotkultur als nationales Kulturerbe anerkannt.

Es gibt das Deutsche Brotregister und dort erfahren wir: es gibt rund 3.200 Brotsorten

Welche Speisen isst Du aus Heimweh?

Wenn es mir nicht so gut ging, dann machte ich mir gerne meine „Seelenspeise“: Fleischpflanzerl (Frikadellen, Buletten, Fleischküchle, wie auch immer), Kartoffelbrei und Karottengemüse, und schon fühlte ich mich auf der Welt ein wenig geborgener.

Da habe ich dann die Gewissheit: ich habe Heimat auf dem Teller.

Weihnachten, das ist ja auch für viele eine sehr emotionale Zeit, und wen wundert es, wenn man da plötzlich in glühender Hitze und mit den Füßen im Meer sich gegenseitig Plätzchen-Rezepte erzählt?

Wir waren Weihnachten einmal in Knysna, an der Südküste Südafrikas. Wir wohnten in Zelten, und im Küchenzelt machten wir bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit und Hitze ein Hexenhaus aus Lebkuchen. Kaum waren wir vom Strand zurück, da war es natürlich völlig in sich zusammengefallen, und dennoch, wir hatten es für einen Moment, und nicht nur die Kinder freuten sich von ganzem Herzen.

Verrückt? Ja. Logisch? Nein. Schön? Ganz klar ja.

Was macht Ihr, was lasst Ihr euch denn immer mitbringen, was findet sich in Euren Koffern, auf dem Rückflug von Deutschland?

Kochen gegen Heimweh hilft doch fast immer.

In Karlsruhe wird gerade ein Kulturküche aufgebaut, und auch hier wird täglich Heimat auf die Teller gezaubert werden. Ein Treffpunkt für alle Kulturen.

Um es mit Ernst Block zu sagen: “… so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.

Neugierig? Schaut rein: 

https://www.betterplace.org/de/projects/69752-kulturkuche-karlsruhe-ein-begegnungsort-fur-alle

Ich freue mich auf Eure Gedanken zum Thema Essen, Heimat und Heimweh.

 

Doris Traudt
Doris Traudt
Coach für die hochmobile Familie bei I am home
Doris Traudt bietet zusammen mit Ihrem Experten-Team von 'I am home' ergebnisorientiertes und emphatisches Coaching für Expatriates und hochmobile Familien.
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