Expat-Kinder - I am home

So finden sich Expat-Kinder in Deutschland besser ein

Viele Expat-Familien kehren mit ihren Kindern nach dem Auslands-Einsatz nicht mehr an ihren ursprünglichen Wohnort zurück. Vielleicht ist gerade keine passende Stelle frei, oder es sprechen andere Faktoren gegen den alten Heimatort. Somit geht das Leben auf Wanderschaft weiter. Das erfordert eine besondere Portion Mut und viel Pragmatismus. Lesen Sie hier, wie Sie und insbesondere Ihre Kinder sich in einer solchen Situation in Deutschland gut einfinden können.

Sich als Expat-Familie gut auf die neue Lebens-Situation einstellen

Kinder, die einige Zeit zusammen mit ihrer Familie im Ausland gelebt haben und nun nach Deutschland zurückkehren, müssen sich aufs Neue integrieren. Sie lernen schnell, dass viele Dinge, viele Freunde, Lebens-Stile und auch Bewertungskriterien ambivalent sind. Was in einer Kultur als normal und richtig erschien, erscheint in Deutschland oft völlig unpassend.

Expat-Kinder benötigen besonders viel Flexibilität, Gelassenheit und Unterstützung.

Expat-Kinder, die für eine Weile plötzlich nicht mehr in internationale Schulen gehen, sondern sich in einer deutschen Schule anpassen müssen, benötigen besonders viel Flexibilität, Gelassenheit und Unterstützung. Oft sind sie in dem einen Schulsystem erfolgreich, in dem anderem nicht. Werte und Lehrpläne dieser Schulen sind oft  ganz unterschiedlich. Und dementsprechend kommen unsere Kinder auch mehr oder weniger gut damit zurecht.

 

Klären Sie wichtige Fragen im schulischen Eingangsgespräch

Für Lehrer ist es hilfreich, gemeinsam mit den Eltern ein Eingangsgespräch zu führen. Die Lehrer erfahren somit etwas über den Hintergrund der eigenen Familie und können die Kinder besser einordnen. Es macht definitiv einen Unterschied, ob Kinder immer in einer vertrauten Umgebung muttersprachlich aufgewachsen sind, oder ob sie in ihrem Leben schon an mehreren Orten gewohnt haben. Ob sie sich auf neue Kulturen und Menschen einstellen mussten, und zwei oder drei Sprachen sprechen.

Für diese Expat-Kinder ist es eine große Erleichterung, wenn Schulen und Lehrer mit Gelassenheit und Phantasie auf eine solche Situation reagieren. Für die Lehrer ist es eine große Herausforderung, plötzlich deutsche, gut ausgebildete Kinder im Klassenzimmer haben, die aber weder richtig Deutsch lesen noch schreiben können.

  • Wie spricht man diese Kinder an, damit sie gerne mitmachen und sich willkommen fühlen?
  • Wie holt man die Wissenslücken – die oft groß sind – auf?
  • Wie nutzt man das Wissen dieser Schüler, die so ganz andere Erfahrungen in ganz anderen Kulturen gesammelt haben?

 

So finden sich Ihre Kinder besser in die Schule ein

Zunächst einmal ist es immer sinnvoll, mit den aufnehmenden Lehrern und der/dem Direktor/in einen Termin für ein Gespräch auszumachen, um wichtige Fragen zu klären und Hinweise zu geben. Je mehr die Lehrer über Ihre Kinder wissen, desto eher kann eine Einordnung gelingen.

Oftmals kommt es vor, dass ein Schuljahr im Ausland ganz andere Beginn- und End-Zeiten hat als hier in Deutschland. In vielen Ländern startet das Schuljahr zum Beispiel bereits im Januar, ist also, im Unterschied zu Deutschland, an das Kalenderjahr gekoppelt. Je nachdem, wann Sie nach Deutschland zurückkehren kann es also vorkommen, dass Ihr Kind von der ausländischen Schule kein Versetzungszeugnis mehr erhält. Dann sind Schwierigkeiten oft programmiert.

Weiterhin ist es wichtig, die geeignete Jahrgangsstufe für Ihr Kind zu finden. Es gilt, den persönlichen Entwicklungsstand, das Wissen und die Fähigkeiten Ihres Kindes möglichst gut einzuordnen und den Schulleitern und Lehrern vermitteln zu können.

Für Expat-Kinder ist es eine große Erleichterung, wenn Schulen und Lehrer mit Gelassenheit und Phantasie reagieren.

Oft lernen Schüler, die im Ausland zur Schule gegangen sind, ganz andere Fremdsprachen als die Schüler beispielsweise in Baden-Württemberg. Als unsere Familie in Südafrika lebte, waren das in den ersten Jahren isiZulu und Afrikaans. Da gilt es im Einzelfall zu entscheiden, wie Ihre Kinder und Lehrer an deutschen Schulen damit können.

Manchmal kann es in einer solchen Situation sinnvoll sein, eine Feststellungsprüfung zu machen. Für die aufnehmende Schule ist es darüber hinaus hilfreich, wenn Sie eine Dokumentation über alle Unterrichtsstunden in dieser Sprache haben. Heben Sie also auch den Nachweis von möglichen Nachhilfestunden auf. Denn manchmal kommt es auf die richtige Kombination von der nötigen sprachlichen Kompetenz und der richtigen Anzahl von Unterrichtsstunden an.

Ist dies dann vergleichbar mit der Anzahl der Unterrichtstunden und den sprachlichen Fähigkeiten, die hier unterrichtet werden, dann kann die Schule eher in Betracht ziehen, diese im Ausland erworbenen Sprachfähigkeiten anzuerkennen. Das kann im Einzelfall bedeuten, dass man z.B. auf den Französischunterricht verzichten kann.

Aber noch einmal Vorsicht: dies ist immer eine Einzelfallregelung. Manche sehr erfahrene Schulleiter können hier gute Integrations-Strategien mit den Eltern und den Schülern entwickeln. Wenn die Schulen aber möglicherweise schon sehr volle Klassen haben, darf es Sie nicht verwundern, dass das Entgegenkommen nicht sehr hoch ist. Ziehen Sie daher nach Möglichkeit mehrere Schulen in Betracht und führen Sie zur Sicherheit mehrere Aufnahmegespräche.

Auch ist es für die aufnehmende Schule oft schwer, das Zeugnis in einer fremden Sprache und aus einer völlig anderen Kultur richtig zu bewerten. Hier hilft es, wenn Sie das Zeugnis ins Deutsche übersetzen lassen.

Fragen Sie nach dem Feststellungsverfahren, und dokumentieren Sie die Ausbildung Ihres Kindes möglichst gut. Generell gilt: eine Versetzung muss stattgefunden haben. Und Schulen haben immer einen pädagogischen Spielraum.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Vereinbaren Sie persönliche Vorstellungsgespräche mit der Schulleitung und Lehrern.
  • Lassen Sie das Zeugnis ins Deutsche übersetzen und helfen Sie, das Zeugnis zu deuten.
  • Besprechen Sie ggf. eine auf Ihr Kind entwickelte Einzelfallregelung.
  • Fragen Sie, sofern Ihr Kind andere Sprachen spricht, nach einer Feststellungsprüfung (Unter Umständen kann es sein, dass Ihr Kind dann z.B. vom Französischunterricht befreit wird.).
  • Ihr Kind benötigt unbedingt ein Versetzungszeugnis (die Versetzungsordnung ist bindend).
  • Sprechen Sie die besondere Situation an, in der sich Ihr Kind befindet und bekommen Sie ein Gefühl dafür, ob die Lehrer noch “Kapazitäten” haben.

 

Persönliche Erfahrungen von Expat-Kindern als Inspiration

Die Erfahrungen von vielen Expat-Familien zeigen, dass eine Wandlung der Schulen im Gange ist: hin zu mehr Gelassenheit und Verständnis. Das Thema ‘Auslandsaufenthalt’ wird mittlerweile gerne als Inspiration genutzt.

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, mich mit Lehrern an staatlichen deutschen Schulen auszutauschen. Wir sprachen darüber, warum Multiple-Choice-Fragebögen so viel schwerer für Kinder mit multikulturellem Hintergrund zu beantworten sind. Kindern, die lediglich in einer Kultur aufwachsen, fällt die Beantwortung solcher Aufgaben wesentlich leichter.

Aus diesem Gespräch heraus entwickelten einige Lehrer eine faszinierende Projektarbeit für eine Schulklasse in Biologie und in Gesellschaftskunde. Schüler, Lehrer und auch Eltern waren von dem Ansatz begeistert, mit dem sich alle untereinander besser kennen lernten und mehr Verständnis für die Situation einzelner Schüler entwickelten.

Spreche ich heute mit Lehrern an diesen deutschen Schulen, dann erlebe ich deutlich, wie inspirierend dieser Ansatz wirkt. Die Lehrer greifen die persönliche Geschichte und die Auslandserfahrungen von Expat-Kindern auf, um über unterschiedliche Wertevorstellungen und Normen, über Ziele und Ansichten zu sprechen. Das öffnet den Horizont und ermöglicht mehr Verständnis für andere Erfahrungen.

 

Wie sind Ihre Erfahrungen? Ich bin gespannt darauf zu erfahren, wie es Ihren Kindern erging, als sie sich nach Jahren im Ausland wieder in das deutsche Schulsystem integrieren sollten.

 

 


Ich danke dem Regierungspräsidiums Karlsruhe, Abteilung Schule und Bildung für die freundliche Unterstützung.

Doris Traudt
Doris Traudt
Coach für die hochmobile Familie bei I am home
Doris Traudt bietet zusammen mit Ihrem Experten-Team von 'I am home' ergebnisorientiertes und emphatisches Coaching für Expatriates und hochmobile Familien.
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