Umziehen ist so ähnlich wie heiraten

Du solltest es wirklich wollen, denn es ist etwas für ganz und gar. Im Englischen sagt man, “it is for good.“ Der Umzug sollte sich so anfühlen, als wäre es wirklich für immer.

Sag nicht, es ist ja bloß für eine gewisse Zeit. Richte Dich schön ein, lebe mit Genuss. Beschließe aus vollem Herzen: „jetzt ist es schön“. Denn Du lebst ja jetzt! Leben in der Warteschleife gibt es nicht. Leben findet immer jetzt statt. Also lebe.

Bei einer Hochzeit gibt es in Deutschland einen schönen Brauch: Du brauchst etwas Altes, etwas Geliehenes, etwas Neues und etwas Blaues. Schaffe Dir solche Symbole, wenn Du umziehst.

Etwas Altes:

Lege Dir eine Schatzkiste an.

Fülle sie mit Dingen, die Dich an deine Heimat erinnern.

Ich hatte eine Kuckucksuhr, einen Bembel, einen Maßkrug und Hirschhornsalz im Gepäck.

Ellen nahm Veilchenpastillen und Badezusatz mit, der so richtig nach Schwarzwald duftete. Meine Freundin Silke hatte u.a. das Parfüm von der Oma dabei.

Nimm die Kiste mit und stelle sie weg. Das ist ganz wichtig. Nicht auspacken, noch nicht.

Etwas Geliehenes:

Sicherlich haben Deine Freunde und Bekannten Dir Geschichten erzählt, die sie an Deinem neuen Ort schon erlebt haben oder von denen sie gehört haben. Z.B.„man sollte sich doch um die armen Esel in Mauretanien kümmern“. Dann finde heraus, was dahinter steckt.

Nimm diese geliehenen Gedanken und überprüfe sie. Mach Dich auf den Weg und erforsche Deine Umgebung und fange mit den Themen der anderen an. Das lässt Dir Zeit, Deine eigene Meinung zu bilden und Du hast ein Thema, das Du mit Ihnen teilst.

Etwas Neues:

Am neuen Ort kannst Du Dich neu erfinden, kaum jemand kennt Dich. Trainiere für einen Marathon, lege Dir ein neues Hobby zu und baue es aus. Ein neuer Ort ist immer auch eine neue Chance. Was wolltest Du schon immer mal machen? Mach es jetzt. Denn es ist eine geschenkte, fast schon unschuldige Zeit – die Zeit des Anfangs.

Etwas Blaues:

Sagen wir mal, das Blaue steht für das Unbekannte

Dann fahre einfach los, ohne zu wissen wohin, gehe ganz absichtlich verloren. Keine Sorge, das GPS bringt Dich dann doch wieder zu Deiner neuen Adresse.

Sich zu verfahren ist der beste Weg die Gegend zu erkunden. Davon bin ich überzeugt.

Aber Achtung – gewusst wie! „Am besten mit dem Fahrrad“, so dachte ich.

Das stimmt für einige Länder, aber nicht für Südafrika. Ich machte einen großen Fehler, als ich das Fahrrad in Johannesburg aus der Garage holte und einfach losfuhr. Am nächsten Tag hatte ich besorgte Nachbarn bei mir zu Besuch. Ich bekam einen Crashkurs zum Thema Sicherheit, und fortan hatte ich Nachbarn, die immer ein Auge auf mich hatten.

Feiere, mach ein Fest.

Am neuen Ort angekommen, lade Menschen ein, die wie Du neu in der Gegend sind.

Oder die Du gerade eben kennengelernt hast. Dann bitte doch jeden Deiner Gäste, noch eine Person mitzubringen.

Das ist ein Risiko ja, aber auch die Chance auf was Neues. Wir hatten die Nachbarn eingeladen und erfuhren eine ganz Menge über den Besitzer des Hauses, das wir gemietet hatten, über die Möglichkeiten in der Umgebung, und das Thema Sicherheit wurde uns immer wieder erläutert. Fortan waren wir ein wenig eingebunden.

So, und was machte ich nun mit der alten Kiste?

Nun, diese Kiste war da. Ich wusste, da sind Erinnerungen an meine alte Heimat und das tat mir gut. Mir tat es aber auch gut, sie beiseite zu legen und darauf zu vertrauen, dass ich sie öffnen werde, wenn ich mich darüber freuen kann, ohne im Herzen noch Trauer zu spüren.

Sie war ein bittersüßes Geheimnis,und dieses Geheimnis war einfach ein Teil von mir.

Ich öffnete sie nach ca. zwei Jahren, und auf einmal hing in Johannesburg eine Kuckucksuhr an der Wand und ich füllte meinen Appletizer in einem Bembel. Auf einmal passte eben alles zusammen.

Ich war angekommen.

Danke, liebe Ellen.

Vor einigen Tagen machte ich einen Spaziergang mit Ellen und wir teilten unsere  Umzugserlebnisse. Dabei entstand der Gedanke, dass ein Umzug doch wirklich viel von einer Hochzeit hat und sie muss es ja wissen, denn Ellen ist ein echter Profi. Sie ist mit der ganzen Familie richtig durch die Welt geschaukelt.

Südafrika – Deutschland, Spanien – Deutschland, England – Deutschland, und das mit Mann und Maus und Kind und Kegel.

Und für alle, die in Deutschland sind und Heimweh bekommen, hier mein Tipp:

Die Kulturküche in Karlsruhe

Sie ist ein Begegnungsort, der Bürgerinnen und Bürger verbindet und Einsamkeit/ Heimweh entgegen wirkt. Die Kulturküche ist ein offener Kulturraum für alle, die durch einen täglichen Mittagstisch zum Selbstkostenpreis „Essen“ als gemeinschaftsstiftendes Medium nutzt. Die Eröffnung ist für November 2019 geplant.

https://www.betterplace.org/de/projects/69752-kulturkuche-karlsruhe-ein-begegnungsort-fur-alle

 

 

Doris Traudt
Doris Traudt
Coach für die hochmobile Familie bei I am home
Doris Traudt bietet zusammen mit Ihrem Experten-Team von 'I am home' ergebnisorientiertes und emphatisches Coaching für Expatriates und hochmobile Familien.
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